Germes Ratgeber

Was heißt spinndüsengefärbt?
Der Unterschied zu nachträglich gefärbten Stoffen

Spinndüsengefärbt heißt, dass die Farbpigmente in die flüssige Polymermasse gerührt werden, bevor daraus überhaupt eine Faser entsteht. Die Farbe sitzt danach im Kern des Fadens statt auf seiner Oberfläche. Auf dieser Seite lesen Sie, wie sich das von nachträglicher Färbung unterscheidet, was es für Farbbeständigkeit und Reinigung bedeutet und woran Sie es im Datenblatt erkennen.

Grundlagen

Wie spinndüsengefärbte Fasern entstehen

Kunstfasern entstehen, indem eine zähflüssige Masse durch die feinen Löcher einer Spinndüse gepresst wird. Wo genau in diesem Ablauf die Farbe dazukommt, entscheidet über alles Weitere.

Die Farbe kommt vor der Faser

Das Farbpigment wird in die geschmolzene Polymermasse oder die gelöste Zellulose eingemischt, bevor diese durch die Spinndüse gepresst wird. Erst dabei entsteht der Faden. Das EU-Referenzdokument für die Textilindustrie beschreibt genau diesen Ablauf und nennt die Verbindung von Färben und Spinnen Spinndüsenfärbung.

Das Pigment sitzt im Kern

Weil das Pigment mit der Fasermasse verschmilzt, ist es Bestandteil des Fadens und nicht eine Schicht darauf. UV-Licht erreicht es schwerer. Und wenn sich die Faseroberfläche mit den Jahren abnutzt, kommt darunter dieselbe Farbe zum Vorschein statt eines hellen Faserkerns.

Ein Verfahren, viele Namen

Spinndüsengefärbt, spinngefärbt, massegefärbt, durchgefärbt: Im Deutschen kursieren mehrere Bezeichnungen. Auf englischen Datenblättern steht solution dyed, dope dyed, spun dyed oder mass coloured. Gemeint ist in allen Fällen dasselbe Verfahren.

Kein Färbebad, kein Abwasser

Weil der fertige Stoff später nicht mehr gefärbt werden muss, entfällt der gesamte nasse Färbeprozess samt Farbbad, Hilfsmitteln und Spülgängen. Das ist der Grund für die deutlich bessere Umweltbilanz weiter unten auf dieser Seite.

Wann im Herstellungsprozess gefärbt wird

Ein Textil kann an sehr unterschiedlichen Punkten seiner Entstehung Farbe bekommen. Das EU-Referenzdokument für die Textilindustrie listet diese Stufen auf. Als Faustregel gilt: Je früher gefärbt wird, desto tiefer sitzt die Farbe.

FärbestufeWas gefärbt wirdWo die Farbe landet
Spinndüsenfärbungdie Polymermasse vor dem Spinnenim Kern jeder einzelnen Faser
Kammzug- und Flockenfärbunglose Fasern vor dem Verspinnenvon außen in die Faser gezogen
Garnfärbungder fertig gesponnene Fadenauf dem Faden, außen
Stückfärbungder fertig gewebte oder gewirkte Stoffauf dem Gewebe, außen
Fertigwarenfärbungdas genähte Endproduktauf dem fertigen Teil, außen

Spinndüsengefärbt und nachträglich gefärbt im Direktvergleich

Beide Wege führen zu farbigem Stoff, aber sie verhalten sich im Alltag unterschiedlich. Die Werte in den letzten drei Zeilen stammen aus unserem eigenen Sortiment.

MerkmalSpinndüsengefärbtNachträglich gefärbt
Zeitpunkt der Färbungvor dem Spinnen der Fasernach dem Spinnen oder nach dem Weben
Lage des Farbstoffsim Faserkernauf der Faseroberfläche
Verhalten bei Abriebdarunter kommt dieselbe Farbeder helle Faserkern wird sichtbar
Verdünnte Bleiche zur Fleckentfernungmöglich, 1 Teil auf 20 Teile Wassernicht möglich
Farbauswahlfeste Herstellerkollektiongrößere Farbauswahl möglich
Lichtechtheit im Sortiment7/8 bis 8/84-6/8
Farbgarantie im Sortiment5 Jahre Herstellergarantiekeine Farbgarantie

Drei verbreitete Irrtümer

Garngefärbt ist nicht dasselbe wie stückgefärbt
Beides sind nachträgliche Verfahren, aber sie greifen an verschiedenen Punkten an: Bei der Garnfärbung wird der fertige Faden ins Farbbad gegeben, bei der Stückfärbung erst der fertig gewebte Stoff. Wer beides in einen Topf wirft, liest ein Datenblatt falsch. Für das Ergebnis entscheidend ist aber ohnehin etwas anderes: Keines der beiden Verfahren bringt die Farbe in den Faserkern. Das leistet nur die Spinndüsenfärbung.
Das Verfahren schützt die Farbe, nicht die Faser
Die Spinndüsenfärbung macht die Farbe haltbar. Sie macht die Faser nicht UV-beständig. Polyester zersetzt sich unter UV-Strahlung auf Materialebene deutlich schneller als Acryl. Deshalb hält spinndüsengefärbtes Polyester trotz nahezu gleicher Lichtechtheit nicht so lange wie spinndüsengefärbtes Acryl. Genau darum gibt der Hersteller auf die Agora-Stoffe fünf Jahre Garantie, während wir auf Polysun und Olefin zwei Jahre eigene Farbgarantie geben.
Auch spinndüsengefärbte Stoffe bleichen irgendwann aus
Kein Textil ist gegen UV-Strahlung immun. Das Verfahren verschiebt den Zeitpunkt weit nach hinten, es hebt ihn nicht auf. Wer Polster und Kissen bei längerer Nichtnutzung abdeckt oder einlagert, verlängert die Farbfrische zusätzlich spürbar.
Ressourcen

Was der Wegfall des Färbebads einspart

Der Nutzen ist nicht nur ein Farbnutzen. Weil der gesamte nasse Färbeprozess entfällt, sinken Verbrauch und Abwasser erheblich. Die folgenden Zahlen stehen im EU-Referenzdokument zur besten verfügbaren Technik in der Textilindustrie und gehen auf eine Lebenszyklusanalyse von Terinte und anderen im Journal of Cleaner Production zurück.

Rund die Hälfte weniger Wasser und Energie

Gegenüber dem konventionellen Nassfärben desselben Gewebes verbraucht die Spinndüsenfärbung 50 Prozent weniger Energie und 50 Prozent weniger Wasser. Dazu kommt, dass gar kein Färbereiabwasser anfällt, das später aufbereitet werden müsste.

60 Prozent kleinerer CO2-Fußabdruck

Derselbe Vergleich weist einen um 60 Prozent geringeren CO2-Fußabdruck aus. Zusätzlich wird 20 Prozent weniger Pigment gebraucht, weil beim Einmischen in die Masse nichts im Färbebad zurückbleibt.

Gemessen an Modalfasern

Ehrlichkeitshalber: Diese Zahlen stammen aus einer Lebenszyklusanalyse für Modalfasern. Für Acryl und Polyester liegen keine öffentlich vergleichbaren Werte vor. Die Richtung ist dieselbe, weil derselbe Prozessschritt entfällt, die genaue Höhe lässt sich aber nicht eins zu eins übertragen.

Welche unserer Stoffe spinndüsengefärbt sind

Alle Angaben stammen aus den Datenblättern der Hersteller. Die Lichtechtheit ist nach ISO 105-B02 geprüft und auf der achtstufigen Skala angegeben, bei der 8 der Höchstwert ist.

StoffFärbungLichtechtheitFarbgarantie
Agora Airspinndüsengefärbtes Acryl7-8/85 Jahre Hersteller
Agora Lisospinndüsengefärbtes Acryl7-8/85 Jahre Hersteller
Agora Panamaspinndüsengefärbtes Acryl7-8/85 Jahre Hersteller
Agora Linesspinndüsengefärbtes Acryl7-8/85 Jahre Hersteller
Agora Rayurespinndüsengefärbtes Acryl7-8/85 Jahre Hersteller
Agora Simmetriaspinndüsengefärbtes Acryl7/85 Jahre Hersteller
Agora Liso Waterproofspinndüsengefärbtes Acryl mit Laminat7-8/85 Jahre Hersteller
Agora Life Lisospinndüsengefärbtes Acryl, recycelt7/85 Jahre Hersteller
Agora Life Panamaspinndüsengefärbtes Acryl, recycelt7/85 Jahre Hersteller
Agora Life Wabispinndüsengefärbtes Acryl, recycelt7/85 Jahre Hersteller
Sunbrella Nattéspinndüsengefärbtes Acryl8/85 Jahre Hersteller
Polysunspinndüsengefärbter Polyester7-8/82 Jahre Germes
Dralon (Acrisol Liso)konventionell gefärbt4-6/8keine
Häufig gestellte Fragen

Häufig gestellte Fragen

Das Farbpigment wird in die flüssige Polymermasse eingemischt, bevor diese durch die Spinndüse zur Faser gepresst wird. Die Farbe ist damit Bestandteil des Fadens und sitzt in seinem Kern, nicht als Schicht auf seiner Oberfläche.

Der Zeitpunkt. Spinndüsengefärbt wird vor der Entstehung der Faser, garngefärbt wird der fertig gesponnene Faden, stückgefärbt der fertig gewebte Stoff. Nur beim ersten Verfahren sitzt die Farbe im Faserkern. Garn- und Stückfärbung tragen sie von außen auf.

Ja. Auf englischen Datenblättern steht solution dyed, dope dyed, spun dyed oder mass coloured, im Deutschen spinndüsengefärbt, spinngefärbt, massegefärbt oder durchgefärbt. Alle diese Begriffe beschreiben dasselbe Verfahren.

Die Farbe hält deutlich länger, das zeigt sich in unserem Sortiment an der Lichtechtheit von 7/8 bis 8/8 gegenüber 4-6/8 bei konventioneller Färbung. Für die Lebensdauer des Stoffes zählt zusätzlich die Faser selbst: Acryl übersteht UV-Strahlung besser als Polyester, auch wenn beide spinndüsengefärbt sind.

Bei unseren spinndüsengefärbten Acrylstoffen ja, im Verhältnis von einem Teil Bleiche auf zwanzig Teile Wasser, kurz einwirken lassen und gründlich mit klarem Wasser nachspülen. So lassen sich auch Schimmelflecken, Vogelkot und Sonnencreme entfernen. Zwei Ausnahmen: Für Sunbrella gilt die Pflegeanleitung des Herstellers, die keine Bleiche vorsieht. Und konventionell gefärbte Stoffe wie Dralon vertragen keine Bleiche, auch nicht verdünnt.

Alle Agora-Stoffe einschließlich der Agora-Life-Reihe mit Recyclinganteil, dazu Sunbrella Natté und der Polyesterstoff Polysun. Konventionell gefärbt ist bei uns Dralon in der Ausführung Acrisol Liso, das dafür die größere Farbauswahl zum günstigeren Preis bietet.

Unsicher, welches Färbeverfahren zu Ihrem Projekt passt?

Sagen Sie uns, wo der Stoff zum Einsatz kommt und wie lange er dort bleibt. Wir sagen Ihnen, ob sich der Aufpreis für einen spinndüsengefärbten Stoff bei Ihnen rechnet.