Germes Ratgeber

Was ist Wassersäule?
Wie die Wasserdichtigkeit von Stoffen gemessen wird

Die Wassersäule ist der Wasserdruck, den ein Stoff aushält, bevor Wasser hindurchtritt. Angegeben wird sie in Millimeter und ermittelt nach ISO 811. Auf dieser Seite lesen Sie, wie der Wert zustande kommt, warum es keinen Grenzwert für das Wort wasserdicht gibt und welche Werte unsere Stoffe erreichen.

Grundlagen

Was die Zahl auf dem Datenblatt misst

Der Wert stammt aus einem Laborversuch, in dem Wasser mit steigendem Druck gegen eine Stoffprobe gedrückt wird. Vier Punkte erklären, was dabei entsteht.

Wassersäule Erklärung in einem Satz

Die Wassersäule benennt den Wasserdruck, dem ein Stoff standhält, bevor Wasser hindurchtritt. Der Name kommt vom Messprinzip: 1.000 mm bedeutet, der Stoff hält dem Druck stand, den eine ein Meter hohe Wassersäule auf ihn ausübt.

Millimeter, Zentimeter, Millibar

Die Norm selbst lässt Zentimeter oder Millibar zu und hält ausdrücklich fest, dass die SI-Einheit Pascal für diesen Versuch unüblich ist. Im Handel hat sich Millimeter durchgesetzt. Zum Umrechnen: ein Meter Wassersäule entspricht 98 Millibar, 1.000 mm sind also rund 98 mbar.

Ein Druckwert, keine Zeitangabe

Die Norm ordnet ihr Ergebnis ausdrücklich dem Verhalten von Stoffen zu, die kurze bis mittlere Zeiträume unter Wasserdruck stehen. Wie lange ein Polster im Dauerregen trocken bleibt, lässt sich aus dem Wert nicht ablesen.

Geprüft wird nach ISO 811

Maßgeblich ist ISO 811 in der zweiten Ausgabe von 2018, in Europa übernommen als EN ISO 811. Sie hat die ältere EN 20811 abgelöst, deren nationale Fassungen Ende November 2018 zurückgezogen wurden. Viele Datenblätter führen die alte Bezeichnung weiter, auch unsere Agora-Unterlagen nennen UNE-EN ISO 20811. Gemeint ist dasselbe Verfahren.

So wird die Wassersäule im Labor ermittelt

ISO 811 legt jeden Schritt fest. Diese Vorgaben erklären, warum zwei Werte nur dann vergleichbar sind, wenn sie unter denselben Bedingungen entstanden sind.

VorgabeWas die Norm verlangtWarum das zählt
Prüffläche100 Quadratzentimeter, waagerecht und faltenfrei eingespannteine größere Fläche enthält mehr Schwachstellen, deshalb ist die Fläche festgelegt
WasserReinstwasser nach ISO 3696, bei 20 oder 27 Grad Celsiuswarmes Wasser ergibt niedrigere Werte, die Temperatur gehört deshalb in den Prüfbericht
Druckanstieg10 oder 60 Zentimeter Wassersäule pro Minutebeide Raten sind zulässig, sie führen aber nicht zum selben Ergebnis
Abbruchkriteriumder Druck beim Durchtritt an der dritten Stellenicht der erste Tropfen, sondern der dritte beendet den Versuch
Probenzahlmindestens fünf Proben aus verschiedenen Stellen des Stoffesein Einzelwert wäre Zufall, gemeldet wird der Mittelwert
Ungültiger VersuchWasserdurchtritt am Rand der Einspannungsolche Läufe werden verworfen und wiederholt

Ab wann gilt ein Stoff als wasserdicht?

Die Prüfnorm nennt keinen Grenzwert
ISO 811 beschreibt ein Messverfahren und sonst nichts. Sie enthält keine Schwelle, ab der ein Stoff wasserdicht heißen darf, und auch keine Klassen. Wer eine feste Grenze nennt, etwa 1.500 mm, zitiert damit keine Prüfnorm für Textilien.
Woher die kursierenden Zahlen stammen
Grenzwerte gibt es nur in Produktnormen einzelner Warengruppen. Die bekannteste ist EN 343 für Schutzkleidung gegen Regen. Dort wird der Stoff vor der Messung definiert vorbehandelt, also gewaschen, gescheuert und geknickt, und erst der Wert danach entscheidet über die Klasse. Auf Polster, Sonnensegel und Abdeckungen sind diese Klassen nicht übertragbar, weil dort weder dieselbe Vorbehandlung noch dieselbe Beanspruchung vorliegt.
Wie wir den Begriff verwenden
Wir nennen einen Stoff wasserdicht, wenn er ein rückseitiges Laminat trägt und damit 1.000 mm erreicht. Ohne Laminat sprechen wir von wasserabweisend. Das ist eine Festlegung unseres Hauses entlang der Herstellerangaben, keine Vorgabe einer Norm. Reine Abdeckstoffe wie Cover-PVC liegen mit 4.000 mm deutlich darüber. Den Unterschied zwischen beiden Bauweisen erklärt der Vergleich wasserabweisend gegen wasserdicht.

Welche Wassersäule unsere Stoffe erreichen

Die Werte stammen aus den technischen Datenblättern der Hersteller. Wo ein Wert dort nicht ausgewiesen ist, steht das hier so.

StoffWassersäulePrüfnormEinordnung
Agora Liso, Lines, Rayure, Panama, Life Liso180 mmUNE-EN ISO 20811wasserabweisend, zusätzlich Spray Test 5 von 5
Dieselben Stoffe mit PU-Laminat1.000 mmHerstellerangabewasserdicht, Laminat wiegt 44 g je Quadratmeter zusätzlich
Agora Liso Waterproof, im Shop wetterfest1.000 mmHerstellerangabeLaminatseite liegt innen, Wasserdampf gibt der Stoff mit 240 bis 320 g je Quadratmeter in 24 Stunden ab
Dralon Acrisol Liso mit Laminat auf Anfrage1.000 mmHerstellerangabeLaminat ist keine Lagerware, es wird beim Hersteller angefragt
Cover-PVC4.000 mmISO 811der höchste Wert im Sortiment, gedacht für Abdeckungen im Dauerwetter
Agora Life Panama, Agora Life Wabivom Hersteller nicht ausgewiesennicht angegebenfür diese beiden Qualitäten liegt uns kein geprüfter Wert vor
Grenzen des Werts

Was die Wassersäule über ein fertiges Produkt nicht aussagt

Gemessen wird ein Stück Stoff im Neuzustand, waagerecht eingespannt, im Labor. Ein Polster auf der Terrasse steht unter anderen Bedingungen. Vier davon sind wichtig.

Die Naht ist die eigentliche Grenze

Jeder Nadelstich durchbricht die Beschichtung. Ein Bezug aus laminiertem Stoff wird erst dicht, wenn die Nähte zusätzlich mit Band abgeklebt werden. Diese Versiegelung braucht Aufbauhöhe und ist deshalb erst ab 6 cm Polsterstärke sauber ausführbar. Welche Nahtformen wir überhaupt verarbeiten, zeigt die Übersicht der Saumarten bei Polstern.

Druck von oben ist kein Prüfdruck

Wer sich auf ein nasses Kissen setzt, erzeugt punktuell ein Vielfaches des Drucks, mit dem im Labor gemessen wird. Deshalb bleibt auch ein hoher Wert kein Versprechen für jede Situation.

Zeit steht nicht in der Zahl

Die Norm bezieht ihr Ergebnis auf kurze bis mittlere Belastung. Für Dauernässe zählt neben dem Stoff vor allem, ob das Produkt ablüften und abtrocknen kann. Deshalb bekommen wasserdichte Auflagen Luftlöcher zum Druckausgleich.

Wasserabweisung lässt nach, sie ist erneuerbar

Die Ausrüstung der Oberfläche nutzt sich durch Sonne, Schmutz und Reinigung ab. Eine nachträgliche Imprägnierung stellt die Wasserabweisung weitgehend wieder her. Das Laminat auf der Rückseite bleibt davon unberührt, es darf aber weder in die Sonne noch unter den Hochdruckreiniger.

Häufig gestellte Fragen

Häufig gestellte Fragen

Eine feste Grenze gibt es in der Prüfnorm nicht. ISO 811 misst, sie klassifiziert nicht. In unserem Sortiment gilt: Stoffe mit rückseitigem PU-Laminat erreichen 1.000 mm, Cover-PVC erreicht 4.000 mm, und diese Qualitäten führen wir als wasserdicht. Stoffe ohne Laminat liegen bei 180 mm und heißen wasserabweisend.

Sie sagt, wie viel Wasserdruck der neue, flach eingespannte Stoff im Labor ausgehalten hat, bevor an drei Stellen Wasser durchtrat. Über Nähte, Alterung, Verschmutzung oder Druck durch Körpergewicht sagt sie nichts.

Für die übliche Nutzung ja. Bei Sommerregen perlt das Wasser ab und der Polsterkern bleibt trocken, dafür sorgt zusätzlich der Spray Test mit 5 von 5 Punkten. Bei Starkregen oder dauerhaft nassem Standort ist die laminierte Ausführung die passende Wahl.

Das ist die spanische Fassung der europäischen Übernahme desselben Verfahrens. Die Vorgängernorm EN 20811 wurde 2018 durch EN ISO 811 ersetzt, viele Hersteller führen die gewohnte Bezeichnung in ihren Unterlagen weiter. Am Messverfahren ändert das nichts.

Grundsätzlich von der Schauseite her, also der Seite, die am fertigen Produkt außen liegt. Der Druck darf dabei von unten oder von oben aufgebracht werden. Beides gehört in den Prüfbericht, weil es das Ergebnis beeinflussen kann.

Unsicher, welcher Wert zu Ihrem Standort passt?

Sagen Sie uns, wo das Produkt steht und wie oft es nass wird. Wir sagen Ihnen, ob wasserabweisend genügt oder die laminierte Ausführung sinnvoll ist.