Was ist wasserdicht?
Der Unterschied zu wasserabweisend und wasserfest
Drei Wörter, die im Handel oft nebeneinanderstehen und nicht dasselbe bedeuten. Hinter zwei von ihnen steht je eine eigene Prüfnorm, hinter dem dritten steht keine. Auf dieser Seite lesen Sie, was jeweils gemessen wird, welche Werte unsere Stoffe erreichen und woran am fertigen Produkt tatsächlich entschieden wird, ob es trocken bleibt.
Drei Wörter, die nicht dasselbe meinen
Der Unterschied liegt nicht im Grad der Wirkung, sondern in dem, was überhaupt geprüft wird. Zwei Begriffe stehen für ein Messverfahren, einer für gar keines.
Wasserabweisend meint die Oberfläche
Der Stoff ist so ausgerüstet, dass Wasser auf der Oberseite abperlt statt einzuziehen. Geprüft wird das mit dem Spray Test nach ISO 4920, bewertet wird in Noten von 0 bis 5. Das Gewebe selbst bleibt dabei offen und luftdurchlässig, die Ausrüstung sitzt auf der Faser. Der Fachbegriff dafür ist Hydrophobierung, im Alltag heißt es Imprägnierung.
Wasserdicht Erklärung in einem Satz
Wasserdicht heißt ein Stoff, wenn er Wasserdruck standhält, ohne ihn durchzulassen. Gemessen wird das als Wassersäule nach ISO 811 und angegeben in Millimeter. Erreicht wird die Wasserdichtigkeit nicht durch eine Ausrüstung, sondern durch eine geschlossene Schicht: ein rückseitiges Laminat oder eine Beschichtung.
Wasserfest ist kein Prüfbegriff
Für wasserfest gibt es in der Textilprüfung kein Verfahren, keine Skala und keine Einheit. Umgangssprachlich meint es, dass ein Gegenstand Kontakt mit Wasser übersteht. Über die Frage, ob Wasser hindurchtritt, sagt das Wort nichts aus.
Warum die Unterscheidung beim Kauf zählt
Ein wasserabweisender Bezug hält Sommerregen ab und trocknet schnell wieder. Ein wasserdichter Bezug hält zusätzlich stehendes Wasser und Druck aus, ist dafür aber schwerer und braucht Öffnungen zum Ablüften. Die Frage ist deshalb nicht, was besser ist, sondern was zum Standort passt.
Zwei Prüfungen, zwei verschiedene Fragen
Beide Verfahren stammen vom selben ISO-Komitee für Textilien, TC 38 Unterkomitee SC 2. Sie beantworten trotzdem nicht dieselbe Frage, und keines der beiden ersetzt das andere.
| Merkmal | Spray Test nach ISO 4920 | Wassersäule nach ISO 811 |
|---|---|---|
| Gemessene Größe | ob die Oberseite des Stoffes nass wird | welchem Wasserdruck der Stoff standhält |
| Prüfaufbau | 250 ml Wasser laufen in 25 bis 30 Sekunden aus einer Düse auf eine um 45 Grad geneigte Probe | der Wasserdruck auf 100 Quadratzentimetern steigt gleichmäßig an |
| Abbruch oder Ende | sofort nach dem Sprühen wird abgeklopft und die Schauseite beurteilt | der Druck in dem Moment, in dem an der dritten Stelle Wasser durchtritt |
| Ergebnis | Note von 0 bis 5, wobei 5 keine Benetzung der Schauseite bedeutet | Druck in Millimeter Wassersäule, 1.000 mm entsprechen rund 98 Millibar |
| Proben | mindestens drei Stück, je mindestens 180 mm im Quadrat | mindestens fünf Stück aus verschiedenen Stellen des Stoffes |
| Was die Norm selbst ausschließt | sie ist ausdrücklich nicht dafür gedacht, den Regendurchtritt vorherzusagen, weil sie den Durchtritt gar nicht misst | sie nennt keinen Grenzwert und keine Klassen, ab denen ein Stoff wasserdicht heißen darf |
Wasserfest, und warum wir das Wort nicht verwenden
Weder ISO 4920 noch ISO 811 noch eine andere Textilnorm definiert den Begriff. Wer einen Stoff wasserfest nennt, zitiert damit kein Messergebnis. In Beschreibungen taucht das Wort trotzdem häufig auf, meist als Sammelbegriff für alles zwischen abperlend und dicht. Genau diese Unschärfe ist der Grund, warum wir es weglassen.
Wasserabweisend nennen wir einen Stoff, der im Spray Test 5 von 5 Punkten erreicht und kein rückseitiges Laminat trägt. Wasserdicht nennen wir ihn, wenn ein Laminat oder eine Beschichtung ihn schließt und er damit mindestens 1.000 mm Wassersäule erreicht. Das ist eine Festlegung unseres Hauses entlang der Herstellerangaben, keine Vorgabe einer Norm. Wie der Millimeterwert zustande kommt, erklärt die Seite Was ist Wassersäule?.
Zahlen wie 1.500 mm stammen aus Produktnormen einzelner Warengruppen, am bekanntesten EN 343 für Regenschutzkleidung. Dort wird der Stoff vor der Messung definiert vorbehandelt, also gewaschen, gescheuert und geknickt, und erst der Wert danach entscheidet über die Klasse. Auf Polster, Sonnensegel und Abdeckungen ist das nicht übertragbar, weil dort weder dieselbe Vorbehandlung noch dieselbe Beanspruchung vorliegt. Reine Abdeckstoffe wie Cover-PVC liegen mit 4.000 mm ohnehin weit darüber.
Wasserdichte Stoffe und wasserabweisende Stoffe bei uns
Die Werte stammen aus den technischen Datenblättern der Hersteller. Wo ein Wert dort nicht ausgewiesen ist, steht das hier so, statt ihn zu schätzen.
| Stoff | Spray Test | Wassersäule | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Agora Liso, Lines, Rayure, Panama, Life Liso | 5 von 5 | 180 mm | wasserabweisend, offenes Gewebe ohne Laminat |
| Dieselben Stoffe mit PU-Laminat | 5 von 5 | 1.000 mm | wasserdicht, das Laminat wiegt 44 g je Quadratmeter zusätzlich |
| Agora Liso Waterproof, im Shop wetterfest genannt | 5 von 5 | 1.000 mm | wasserdicht, gibt Wasserdampf mit 240 bis 320 g je Quadratmeter in 24 Stunden nach außen ab |
| Sunbrella Natté | 5 von 5 | vom Hersteller nicht ausgewiesen | wasserabweisend |
| Polysun | 4 von 5 | vom Hersteller nicht ausgewiesen | wasserabweisend, eine Stufe unter den Agora-Qualitäten |
| Dralon Acrisol Liso | vom Hersteller nicht beziffert, im Datenblatt als hidrofugo geführt | mit Laminat auf Anfrage 1.000 mm | wasserabweisend, laminiert wasserdicht, das Laminat ist keine Lagerware |
| Cover-PVC | entfällt, die Oberfläche ist beschichtet | 4.000 mm | wasserdicht, der höchste Wert im Sortiment |
| swela vuscreen Livorno | wasserabweisend ausgerüstet | entfällt | Screen-Gewebe, durch die Lochung bewusst wasserdurchlässig |
Was am fertigen Produkt tatsächlich entscheidet
Beide Prüfungen messen ein Stück Stoff im Neuzustand unter Laborbedingungen. Ein Bezug auf der Terrasse steht unter anderen Bedingungen, und vier davon wiegen schwerer als der Zahlenwert.
Die Naht ist die eigentliche Grenze
Jeder Nadelstich durchbricht die Beschichtung. Ein Bezug aus laminiertem Stoff wird erst dicht, wenn die Nähte zusätzlich mit Band abgeklebt werden. Diese Versiegelung braucht Aufbauhöhe und ist erst ab 6 cm Polsterstärke sauber ausführbar. Welche Nahtformen wir verarbeiten, zeigt die Übersicht der Saumarten bei Polstern.
Die Imprägnierung lässt nach, sie ist erneuerbar
Sonne, Schmutz und Reinigung tragen die Ausrüstung ab. Ein Stoff, der neu 5 von 5 Punkten erreicht hat, perlt nach einigen Saisons schlechter ab. Eine nachträgliche Imprägnierung stellt die Wasserabweisung weitgehend wieder her. Ein rückseitiges Laminat altert anders: es bleibt dicht, verträgt aber weder pralle Sonne noch Hochdruckreiniger.
Ablüften schlägt Dichtigkeit
Bei Dauernässe entscheidet weniger, wie viel Wasser der Stoff aufhält, als ob das Produkt wieder trocknen kann. Deshalb bekommen wasserdichte Auflagen Luftlöcher zum Druckausgleich, und deshalb ist ein wasserabweisender Bezug an einem luftigen Standort oft die bessere Wahl als ein dichter.
Druck von oben ist kein Prüfdruck
Wer sich auf ein nasses Kissen setzt, erzeugt punktuell ein Vielfaches des Drucks, mit dem im Labor gemessen wird. Ein hoher Wert ist deshalb kein Versprechen für jede Situation, sondern eine Aussage über den Stoff unter definierten Bedingungen. Wie wir das bei fertigen Bezügen lösen, zeigen unsere wetterfesten Kissen und Auflagen.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- ISO 4920:2012, Textile fabrics - Determination of resistance to surface wetting (spray test). Frei einsehbare Normvorschau mit Anwendungsbereich, Prüfaufbau, Probenzahl und der vollständigen Notenskala von 0 bis 5
- Katalogeintrag ISO 4920:2012, mit dem Hinweis auf die abgelöste erste Ausgabe von 1981
- ISO 811:2018, Textiles - Determination of resistance to water penetration - Hydrostatic pressure test. Normvorschau mit Messprinzip, Prüffläche und Abbruchkriterium
- Was ist Wassersäule? Die Messgröße hinter der Wasserdichtigkeit
- Alle Stoffe bei Germes mit ihren technischen Werten
- Stoffmuster bestellen und selbst prüfen
Zuletzt fachlich geprüft am: 24.08.2026 · Prüfer: Germes-Team
Wasserabweisend oder wasserdicht: was passt zu Ihrem Standort?
Sagen Sie uns, wo das Produkt steht, ob es überdacht ist und wie oft es nass wird. Wir sagen Ihnen, welche der beiden Ausführungen sinnvoll ist und welche Sie sich sparen können.