Was ist OEKO-TEX?
Der STANDARD 100 und was das Siegel wirklich zusichert
Der OEKO-TEX STANDARD 100 ist die bekannteste Schadstoffprüfung für Textilien. Er sagt genau eine Sache zu: dass der geprüfte Stoff bestimmte Substanzen nicht über festgelegten Grenzwerten enthält. Diese Seite zeigt, was geprüft wird, warum die Produktklasse auf dem Zertifikat wichtiger ist als das Siegel selbst und wie Sie jedes Zertifikat in einer Minute selbst nachprüfen.
Was hinter dem Siegel steckt
Hinter dem bekanntesten Prüfsiegel für Textilien steht kein Hersteller und keine Behörde, sondern ein Zusammenschluss unabhängiger Prüfinstitute in Europa und Japan. Das erklärt, wie es funktioniert und wo seine Grenzen liegen.
OEKO-TEX Erklärung in einem Satz
Ein Prüfinstitut untersucht das Textil auf rund **100 gesundheitlich bedenkliche Substanzen** und bestätigt, dass alle unter den festgelegten Grenzwerten liegen. Bestätigt wird damit die Einhaltung von Grenzwerten, nicht absolute Schadstofffreiheit. Die Kriterien sind an vielen Stellen **strenger als die gesetzlichen Vorgaben**, etwa aus der EU-Chemikalienverordnung REACH.
Was auf der Liste steht
Geprüft wird auf Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Nickel, auf Pestizide, allergisierende und krebserzeugende Farbstoffe, auf Phenole, Weichmacher und Formaldehyd. Dazu kommen der pH-Wert der Oberfläche, die Hautverträglichkeit und die Geruchsbelastung. Die Liste wird jährlich fortgeschrieben.
Ein Zertifikat gilt ein Jahr
Danach muss neu zertifiziert werden. Läuft ein Zertifikat aus, wird der Stoff nicht plötzlich unsicher, aber die Berechtigung, mit dem Siegel zu werben, erlischt. Deshalb gehört zu einer Siegel-Angabe immer eine gültige Prüfnummer.
STANDARD 100 ist nur eines von mehreren Siegeln
Die OEKO-TEX-Gemeinschaft vergibt mehrere Label mit ganz verschiedenen Aussagen. STANDARD 100 betrifft ausschließlich Schadstoffe im fertigen Textil. Wer eine Aussage zur Produktionsweise sucht, braucht ein anderes Label. Weitere Begriffe stehen im Glossar.
OEKO-TEX STANDARD 100 Bedeutung: die vier Produktklassen
Das ist der Punkt, den die meisten Siegel-Angaben verschweigen. Die Grenzwerte hängen davon ab, wie intensiv das fertige Produkt Hautkontakt hat. Klasse 1 ist die strengste, Klasse 4 die mildeste. Ein Stoff der Klasse 4 erfüllt deshalb **nicht** automatisch die Anforderungen der Klasse 1.
| Produktklasse | Typische Produkte | Hautkontakt |
|---|---|---|
| Klasse 1 | Babyartikel bis drei Jahre, Babybettwäsche | sehr intensiv, oft im Mund |
| Klasse 2 | Kleidung mit direktem Hautkontakt, Bettzeug | direkt |
| Klasse 3 | Kleidung ohne direkten Hautkontakt, Mäntel, Jacken | indirekt |
| Klasse 4 | Ausstattungsmaterialien: Vorhänge, Polsterbezüge, Tischdecken | gering bis keiner |
OEKO-TEX Bedeutung: was das Siegel nicht sagt
Der STANDARD 100 sagt nichts über Anbau, Herstellung, Wasserverbrauch oder Arbeitsbedingungen. Er misst, was am Ende im Stoff steckt, nicht wie es dorthin kam. Für Aussagen zur Produktionsweise gibt es eigene Label. Der ähnliche Klang von "OEKO" und "öko" führt hier regelmäßig in die Irre.
Wie lange ein Stoff hält, steht auf einem anderen Blatt: dafür sind die Scheuerbeständigkeit nach Martindale und die Lichtechtheit zuständig. Ein zertifizierter Stoff kann trotzdem schnell ausbleichen, ein nicht zertifizierter jahrzehntelang halten.
Geprüft wird gegen Grenzwerte für bekannte Substanzen, nicht gegen individuelle Reaktionen. Wer stark allergisch reagiert, sollte trotz Siegel ein Muster testen. Ein Stoffmuster kostet nichts und beantwortet die Frage sicherer als jedes Zertifikat.
Welche Bestandteile ein Zertifikat abdeckt, steht im Zertifikat selbst. Bei einem konfektionierten Kissen können Bezugsstoff, Reißverschluss und Füllung unterschiedlich zertifiziert sein. Fragen Sie im Zweifel nach der Prüfnummer für das Bauteil, um das es Ihnen geht.
Wie Sie ein Zertifikat in einer Minute prüfen
Jedes gültige Zertifikat trägt eine Prüfnummer und ein Institut. Beides lässt sich auf der Seite der OEKO-TEX-Gemeinschaft nachschlagen, ohne Anmeldung.
Prüfnummer und Institut suchen
Auf dem Etikett oder im Datenblatt steht eine Nummer wie A96-0071 und ein Prüfinstitut, zum Beispiel Hohenstein. Genau diese beiden Angaben braucht der Label Check. Ein Siegel ohne Nummer ist nicht überprüfbar und damit wertlos.
Im Label Check eingeben
Die Nummer im offiziellen Label Check eingeben. Das Ergebnis zeigt, ob das Zertifikat gültig ist, für welchen Zertifikatsinhaber es ausgestellt wurde und welche Produktklasse gilt.
Auf die Laufzeit achten
Steht dort ein abgelaufenes Datum, ist das Zertifikat nicht mehr gültig. Das ist kein Skandal, sondern meist eine offene Verlängerung, ein guter Anlass ist es trotzdem, beim Anbieter nachzufragen.
Bei uns nachfragen
Für unsere Stoffe fragen Sie die Prüfnummer einfach im Service-Center an. Beispiel aus unserem Sortiment: das Screengewebe für Beschattung ist nach STANDARD 100 in Produktklasse 4 zertifiziert, Prüfnummer A96-0071, Prüfinstitut Hohenstein.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- OEKO-TEX STANDARD 100, offizielle Darstellung des Prüf- und Zertifizierungssystems mit Substanzliste, Produktklassen und Ablauf der Zertifizierung
- OEKO-TEX Label Check, kostenfreie Überprüfung jeder Prüfnummer auf Gültigkeit, Zertifikatsinhaber und Produktklasse
- Was ist Lichtechtheit? Der Kennwert für die Farbstabilität in der Sonne
- Alle Stoffe bei Germes mit ihren technischen Werten
Zuletzt fachlich geprüft am: 24.08.2026 · Prüfer: Germes-Team
Brauchen Sie eine bestimmte Produktklasse?
Sagen Sie uns, wofür der Stoff gedacht ist. Wir nennen Ihnen die passenden Qualitäten mit Prüfnummer und Produktklasse und schicken auf Wunsch Muster.