Germes Ratgeber

Was ist Lichtechtheit?
Farbbeständigkeit von Outdoor-Stoffen verständlich erklärt

Lichtechtheit beschreibt, wie gut die Farbe eines Stoffes der Sonne standhält. Geprüft wird nach ISO 105-B02, bewertet wird auf einer achtstufigen Skala: 1 steht für die geringste, 8 für die höchste Lichtechtheit. Auf dieser Seite lesen Sie, was die Note tatsächlich aussagt, was sie nicht aussagt und welcher Wert zu Ihrem Einsatz passt.

Grundlagen

Was bei der Lichtechtheit gemessen wird

Sonnenlicht enthält einen hohen Anteil UV-Strahlung, und UV greift Farbstoffe an. Wie stark ein Stoff dadurch seine Farbe verändert, wird im Labor unter kontrollierten Bedingungen ermittelt. Vier Punkte erklären das Verfahren.

Ein Vergleich, keine Zeitmessung

Stoffprobe und Blaumaßstab werden gemeinsam belichtet und dabei teilweise abgedeckt. Anschließend wird der Unterschied zwischen belichtetem und abgedecktem Bereich bewertet. Die Note benennt die Blauwoll-Referenz, die sich genauso verhalten hat.

Der Blaumaßstab ist ein Textil

Er ist kein Messgerät, sondern ein Streifen aus definiert eingefärbten blauen Wollfäden, die unterschiedlich schnell ausbleichen. Er liegt im Test neben der Probe und dient als Vergleichsmaßstab.

Die Skala verdoppelt sich, aber nur der Auslegung nach

Die acht Stufen sind geometrisch angelegt: Stufe 2 ist als doppelt so lichtecht ausgelegt wie Stufe 1, Stufe 3 als doppelt so lichtecht wie Stufe 2 und so fort. Der Abstand zwischen 7 und 8 ist deshalb weit größer als der zwischen 1 und 2. Entscheidend ist das Wort ausgelegt: Eine peer-reviewte Untersuchung von Ford und Korenberg (Studies in Conservation, 2023) weist nach, dass handelsübliche Blauwoll-Standards dieser Regel in der Praxis nicht zwingend folgen, weil es Schwankungen zwischen Fertigungschargen gibt. Die Note taugt zur Einordnung, nicht zum Rechnen.

Zwei Normen, eine Skala

ISO 105-B02 prüft gegen künstliches Licht einer Xenonbogenlampe, die Tageslicht nachbildet. ISO 105-B01 prüft dieselbe Eigenschaft gegen echtes Tageslicht. Die Bewertungsskala ist in beiden Fällen dieselbe.

Die acht Stufen der Lichtechtheit

Die Skala trägt den Namen Blauwollskala, weil sie an definiert eingefärbten blauen Wollfäden geeicht ist. Die Note steht immer im Verhältnis zu ihr und wird als Bruch geschrieben, etwa 7-8/8. Der Nenner ist der Skalenhöchstwert, nicht eine Jahreszahl.

NoteBedeutungWofür dieser Wert passt
8hervorragendPremium-Outdoor, beste verfügbare Bewertung
7ausgezeichnetOutdoor im Dauereinsatz, mehrjährige Standzeit
6sehr gutOutdoor mit jahrelanger Standzeit
5gutOutdoor saisonal, Innenräume mit viel Licht
4mäßigInnenräume mit Tageslicht, kurzer Außeneinsatz
3mäßig bis geringInnenräume mit wenig Tageslicht
2geringInnenräume mit wenig Tageslicht
1sehr geringfür Textilien mit Lichteinfall nicht geeignet

Zwei verbreitete Irrtümer

Die Note ist keine Stundenzahl
Eine Lichtechtheit von 7/8 sagt nicht, dass ein Stoff eine bestimmte Anzahl Sonnenstunden übersteht. Sie sagt, dass er sich verhalten hat wie die Blauwoll-Referenz Nummer 7. Wie viele reale Sonnenstunden das bedeutet, hängt von Standort, Klima und Einbausituation ab und lässt sich aus der Note allein nicht ableiten. Das amerikanische Prüfsystem der AATCC macht das besonders deutlich: Es misst Belichtung zeitunabhängig in Fading Units, 20 Fading Units sind nicht 20 Stunden. Der Fachverband AATCC schreibt dazu ausdrücklich, Belichtung werde nicht in Stunden oder Tagen gemessen.
Blaumaßstab und Graumaßstab sind nicht dasselbe
Der Blaumaßstab trägt die Skala, auf der die Lichtechtheit angegeben wird. Der Graumaßstab ist das Hilfsmittel, mit dem die Farbänderung bewertet wird. Eine Rotwollskala zur Lichtechtheitsprüfung gibt es nicht. Wer danach fragt, meint in aller Regel eine dieser beiden.
Der entscheidende Unterschied

Warum spinndüsengefärbte Stoffe höhere Werte erreichen

Nicht die Stoffart allein entscheidet über die Lichtechtheit, sondern vor allem, wie die Farbe in die Faser kommt. Dabei gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Wege.

Spinndüsengefärbt: Farbe im Faserkern

Die Farbpigmente werden schon in die flüssige Polymerlösung gegeben, bevor die Faser durch die Spinndüse gepresst wird. Das Pigment sitzt damit im Kern der Faser. UV-Licht erreicht es schwerer, und selbst wenn sich die Faseroberfläche abnutzt, kommt darunter dieselbe Farbe zum Vorschein.

Konventionell gefärbt: Farbe auf der Faser

Hier wird das fertige Garn oder der fertige Stoff in ein Farbbad getaucht. Die Farbe sitzt obenauf. Solche Stoffe erreichen in aller Regel niedrigere Werte als spinndüsengefärbte und eignen sich sehr gut für den saisonalen Einsatz.

Helle Töne liegen meist höher

Innerhalb derselben Kollektion erreichen verschiedene Farben unterschiedliche Werte. Deshalb wird die Lichtechtheit oft als Bereich angegeben, etwa 4-6/8. Kräftige und sehr leuchtende Töne sind empfindlicher als helle oder sehr dunkle.

Kein Stoff ist völlig UV-unempfindlich

Auch der beste Wert bedeutet nicht, dass die Farbe für immer bleibt. Er bedeutet, dass eine sichtbare Veränderung sehr viel später eintritt. Wer Polster und Kissen bei Nichtgebrauch abdeckt oder einlagert, verlängert die Farbfrische spürbar.

Lichtechtheit unserer Stoffe nach ISO 105-B02

Alle Werte stammen aus den Datenblättern der Hersteller. Die Angabe als Bereich bedeutet, dass die Farben einer Kollektion unterschiedlich abschneiden.

StoffLichtechtheitFärbung
Agora Air7-8/8spinndüsengefärbt
Agora Liso7-8/8spinndüsengefärbt
Agora Panama7-8/8spinndüsengefärbt
Agora Lines7-8/8spinndüsengefärbt
Agora Rayure7-8/8spinndüsengefärbt
Agora Liso Waterproof7-8/8spinndüsengefärbt, mit Laminat
Agora Life Liso7/8spinndüsengefärbt, recycelt
Agora Life Panama7/8spinndüsengefärbt, recycelt
Agora Life Wabi7/8spinndüsengefärbt, recycelt
Polysun7-8/8spinndüsengefärbt
Olefinab 7/8spinndüsengefärbt
Screengewebe Livornoab 7/8100% Polyester
Cover-PVC7-8/8PVC-beschichtetes Polyester, UV-stabilisiert
Dralon Acrisol Liso4-6/8konventionell gefärbt
Für Ihre Entscheidung

Welche Note brauchen Sie wirklich?

Ein höherer Wert ist nicht automatisch der richtige. Entscheidend ist, wie lange und wie direkt der Stoff der Sonne ausgesetzt ist. Diese vier Fälle decken die meisten Situationen ab.

Saisonal draußen, im Winter eingelagert

Von April bis September in Gebrauch, danach trocken verstaut: Hier reicht eine Note von 5-6/8 aus. Auch Dralon ist für diesen Rhythmus gut geeignet und bietet dafür eine besonders große Farbauswahl.

Ganzjährig fest im Freien

Markisen, Sonnensegel, fest montierte Beschattung und Anwendungen am Wasser sollten bei 7-8/8 liegen. Diesen Bereich decken die spinndüsengefärbten Agora-Stoffe ab.

Innen am Südfenster

Vorhänge und Polster mit direkter Sonneneinstrahlung durch die Scheibe sind stärker belastet, als viele erwarten. Eine Note von 5-7/8 ist hier sinnvoll.

Innen mit wenig Lichteinfall

Sofapolster im Wohnzimmer, Sitzkissen im Esszimmer, Dekokissen abseits des Fensters: Für diese Anwendungen genügt eine Note von 4-5/8.

Häufig gestellte Fragen

Häufig gestellte Fragen

Der Nenner 8 ist der Höchstwert der Skala. Der Zähler nennt die erreichte Stufe. Ein Bereich wie 7-8 bedeutet, dass die Farben der Kollektion zwischen diesen beiden Stufen liegen, weil helle und kräftige Töne unterschiedlich abschneiden.

Das lässt sich aus der Note nicht ableiten. Sie ist ein Vergleichswert gegenüber einer Blauwoll-Referenz, keine Zeitangabe. Wie lange die Farbe im Alltag frisch bleibt, hängt von Standort, Ausrichtung, Klima und Nutzung ab.

Ja. Es gibt keinen Stoff, der gegenüber UV-Strahlung völlig unempfindlich ist. Ein hoher Wert bedeutet, dass eine sichtbare Veränderung sehr viel später eintritt. Abdecken oder Einlagern bei längerer Nichtnutzung verlängert die Farbfrische deutlich.

Nein. Die Lichtechtheit beschreibt, wie stabil die Farbe des Stoffes bleibt. Der UV-Schutz für Personen beschreibt, wie viel Strahlung durch den Stoff hindurchkommt, und wird als UPF nach AS/NZS 4399 angegeben. Ein Stoff kann bei einem Wert hoch und beim anderen niedrig liegen.

Nach ISO 105-B02, in der EU übernommen als EN ISO 105-B02. Geprüft wird gegen das Licht einer Xenonbogenlampe, die natürliches Tageslicht nachbildet. Die Variante ISO 105-B01 prüft gegen echtes Tageslicht.

Weil das Farbpigment vor dem Spinnen in die Polymerlösung eingebracht wird und damit im Faserkern sitzt statt obenauf. UV-Licht erreicht es schwerer, und Abrieb an der Oberfläche legt dieselbe Farbe frei.

Unsicher, welche Lichtechtheit Ihr Projekt braucht?

Sagen Sie uns, wo der Stoff zum Einsatz kommt und wie lange er dort bleibt. Wir empfehlen Ihnen die passende Qualität.