Germes Ratgeber

Was ist Martindale?
Die Scheuerbeständigkeit von Stoffen und wie man sie liest

Der Martindale-Wert nennt die Zahl der Reibbewegungen, die ein Gewebe im Labor aushält, bevor es durchgescheuert ist. Er ist der bekannteste Kennwert für Abriebfestigkeit und Strapazierfähigkeit, zugleich einer der am häufigsten falsch gelesenen. Diese Seite zeigt, was gemessen wird, welche Zahl zu welcher Nutzung passt und welche Werte unsere Stoffe erreichen.

Grundlagen

Was im Labor tatsächlich passiert

Die Prüfung ist genormt, damit Werte verschiedener Hersteller vergleichbar sind. Wer weiß, was dabei abläuft, versteht auch, warum eine nackte Zahl wenig wert ist.

Martindale Erklärung in einem Satz

Eine kreisrund zugeschnittene Stoffprobe wird unter Druck gegen ein **genormtes Wollgewebe** gerieben, in einer achtförmigen Bahn, damit die Belastung aus allen Richtungen kommt. Gezählt wird, wie viele Reibbewegungen bis zum definierten Endpunkt vergehen. Diese Zahl heißt Scheuertouren.

Der Endpunkt ist genau definiert

Bei Webware gilt die Probe als zerstört, sobald **zwei Fäden gerissen** sind. Nicht etwa, wenn sie abgenutzt aussieht. Deshalb ist die Zahl reproduzierbar und deshalb sagt sie auch nichts darüber, wann ein Stoff anfängt, gebraucht auszusehen.

Die Norm hat vier Teile

ISO 12947 besteht aus vier Teilen mit **verschiedenen Endpunkten**: Teil 2 zählt bis zum Fadenbruch, Teil 3 misst den Masseverlust, Teil 4 bewertet die Aussehensveränderung. Die übliche Tourenangabe stammt aus Teil 2. Eine Zahl ohne Angabe des Teils ist streng genommen nicht vergleichbar.

Höher ist nicht automatisch besser

Ein hoher Wert kostet meist Griff und Optik: dichte, feste Gewebe scheuern langsamer als weiche. Entscheidend ist, ob der Wert zur Nutzung passt, nicht ob er groß ist. Weitere Begriffe rund um Stoffe stehen im Glossar.

Martindale Bedeutung: welche Tourenzahl wofür reicht

Diese Einteilung ist im Möbel- und Objektbereich üblich. In Deutschland gelten als Richtwerte für Wohnpolster mindestens 15.000 Touren im Privatbereich und mindestens 30.000 Touren im Objektbereich.

ScheuertourenEinstufungTypischer Einsatz
unter 10.000leichter GebrauchVorhänge, Tischdecken, Dekokissen
10.000 bis 15.000mittlerer Gebrauchgelegentlich genutzte Polster, Gästestühle
15.000 bis 25.000strapazierfähigWohnpolster im Privathaushalt
25.000 bis 40.000stark beanspruchttäglich genutzte Polster, Haushalt mit Kindern
40.000 bis 50.000ObjektqualitätHotel, Restaurant, Büro
über 50.000schwere Objektbeanspruchungstark frequentierte Bereiche

Was die Zahl nicht abdeckt

Bei Outdoor-Stoffen führt Martindale in die Irre
Ein Acrylgewebe für draußen mit 20.000 Touren ist nicht schlechter als ein Indoor-Samt mit 60.000. Es ist auf etwas anderes hin gebaut: auf Lichtechtheit, Witterung und Farbstabilität. Für Wohnpolster im Privathaushalt liegt es mit 20.000 über dem üblichen Richtwert von 15.000. Wer Outdoor-Stoffe nach Martindale sortiert, wählt am eigentlichen Beanspruchungsprofil vorbei.
Pilling ist ein eigener Test
Knötchenbildung an der Oberfläche wird nach ISO 12945-2 geprüft, nicht mit Martindale. Ein Stoff kann viele Touren aushalten und trotzdem früh pillen, vor allem Mischgewebe mit kurzen Fasern. Wer beides wissen will, braucht beide Werte.
Reißen, Scheuern und Nähte sind drei Dinge
Martindale misst flächigen Abrieb. Wie viel Zugkraft ein Gewebe aushält, prüft ISO 13934-1, das Verschieben von Fäden an der Naht ISO 13936-2. Bei Sonnensegeln und Abdeckungen sind diese Werte oft wichtiger als die Tourenzahl, weil dort Wind zieht statt etwas zu reiben.
Auch die Farbe reibt sich ab
Ob Farbe beim Reiben abgegeben wird, ist die Reibechtheit nach ISO 105-X12, wieder ein eigener Wert. Bei spinndüsengefärbten Geweben ist das unkritisch, weil die Farbe im Faserkern sitzt.

Martindale-Werte im Sortiment

Alle Werte stammen aus den Datenblättern unserer Stofflieferanten, geprüft nach ISO 12947-2. Sichtbar wird dabei die Zweiteilung des Sortiments: Outdoor-Acryl liegt bei 20.000, die Indoor-Polsterstoffe deutlich darüber.

StoffgruppeScheuertourenEinsatz
Agora, spinndüsengefärbtes Acryl (Lines, Liso, Rayure, Panama, Life, Liso Waterproof)20.000Outdoor-Polster, Sonnenschutz
Polypropylen (Olefin)16.000Outdoor-Polster
Teddy-Bear50.000Indoor-Dekoration
Screengewebe für Beschattung50.000 bis 60.000Outdoor-Vorhänge, Screens
Polysun und Samt60.000Indoor-Polster
Cover-PVC60.000Abdeckungen und Schutzhüllen
Polyester Cord 5 mmüber 80.000Indoor-Polster
Polyester Cord 25 mm90.000 bis 100.000Indoor-Polster
Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Nein. Entscheidend ist, ob der Wert zur Nutzung passt. Für ein Wohnpolster im Privathaushalt gilt 15.000 als Richtwert, alles darüber ist Reserve. Ein sehr hoher Wert geht meist mit einem festeren, härteren Griff einher, den man auf einem Sitzkissen auch spürt.

Nach ISO 12947-2 in der Ausgabe von 2016, europäisch übernommen als EN ISO 12947-2. Der Teil 2 der Normenreihe ist derjenige, der bis zum Fadenbruch zählt und damit die übliche Tourenangabe liefert.

Weil sie auf ein anderes Ziel hin konstruiert sind. Outdoor-Acryl muss Jahre in der Sonne überstehen, ohne auszubleichen, und dabei luftdurchlässig und weich bleiben. Der Abrieb steht dabei nicht an erster Stelle, für Polsternutzung reicht der Wert gleichwohl.

In der Regel ja, solange beide nach ISO 12947-2 geprüft wurden. Vorsicht bei Angaben ohne Norm oder mit sehr runden Werten: sie stammen mitunter aus Teil 3 oder Teil 4 der Normenreihe, die andere Endpunkte verwenden, und liegen dann auf einer anderen Skala.

Welcher Wert passt zu Ihrer Nutzung?

Sagen Sie uns, was aus dem Stoff werden soll und wie oft es benutzt wird. Wir nennen Ihnen die passenden Qualitäten mit ihren geprüften Werten und schicken auf Wunsch Muster.